Flipped Classroom überzeugt mich mehr und mehr: Die Kursteilnehmer, in meinem Fall sind es oft FH-Studierende, bereiten in Ruhe die Theorie vor, so dass die kostbare Zeit während der Lektion praktische Übungen und das Klären offener Fragen genutzt wird. Flipped Classroom ist nicht auf den (Hoch-)Schulbetrieb beschränkt – das Konzept kann in jeder Weiterbildung, auch firmeninternen, erfolgreich eingesetzt werden.

Doch wie werden die Teilnehmer am besten bei der Vorbereitung unterstützt? Die Lektüre von Skripten und Lehrbüchern ist eine Möglichkeit. Doch allzu oft erfahre ich dann, dass die Teilnehmer nicht vorbereitet erscheinen, weil die Lektüre ohne weitere Erläuterung nicht verständlich war. Und dann finde ich mich wieder beim klassischen Vortrag: Die Teilnehmer hören aufmerksam zu und nehmen Notizen. Fragen folgen während der praktischen Übungen. Doch dazu bleibt dann viel weniger Zeit.

Diesen Ablauf wollte ich optimieren. Die Vorlesung zu relationalen Datenbanken schien mir dazu geeignet. Das Fach unterrichte ich seit vielen Jahren an verschiedenen FHs und weiss auch, wo die Studierenden die meisten Schwierigkeiten haben.

In einer Serie von Blog-Posts schildere ich das king of. Dies ist der erste Teil.

Die ersten Entscheidungen und deren Konsequenzen

Dass die Produktion eines Online-Kurses zu einem so umfangreichen Thema aufwändig werden würde, das war mir schon klar. Es war nicht mein erster Online Kurs, aber der bisher umfangreichste. Rückwirkend kann ich berichten, dass es sehr viel Spass gemacht hat – die Zeit verging wie im Fluge und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Das RDB-Training ist momentan im Einsatz und die bisherigen Erfahrungen stimmen mich positiv.

Didaktische Planung

Die didaktische Planung war mir klar. Das Fach unterrichte ich seit vielen Jahren und ich kenne die klassischen Schwierigkeiten der Studierenden. Das Zielpublikum sind Studierende in den ersten Semestern Informatik.

Einen Anspruch habe ich noch: Der Kurs soll angepasst werden können, auf andere Bedürfnisse. Dabei sollen jeweils Ausschnitte extrahiert werden können.

Gegeben aus dem Fachgebiet und der Erfahrung aus der Vergangenheit, ergaben sich die Kapitel des Online-Kurses. Zu den Eigenheiten der didaktsichen Planung eines Online Kurses werde ich später einen separaten Blog Post schreiben.

Weiteres Kursmaterial

Soll noch ein Skript entstehen? Der Aufwand ist gross und Datenbankbücher gibt es wie Sand am Meer. Natürlich keines, welches genau den Stoff enthält 😉. Das Skript mit dem ganzen Material würde etwa 350 bis 400 Seiten umfassen. Vorerst erstelle ich das Skript nicht.

Für einige Videos entstehen Slides. Diese gebe ich im Online-Kurs ab. In anderen Videos entstehen SQL-Skripte, so ähnlich wie kleine Programme, welche Abfragen an die Datenbank enthalten. Auch diese stelle ich zum Download zur Verfügung. Und noch eine ganze Reihe kleiner Übungen und Musterlösungen.

Und natürlich die Videos, um welche es hier hautsächlich gehen soll. Der Kurs wird mit Moodle erstellt. Dieses Learning Management System ist gerade in Hochschulen weit verbreitet.

Der Online-Dozierenden-Vortrag

Ziel ist es, Flipped Classroom in der Form zu unterstützen, dass der Dozierenden-Vortrag während des Unterrichts entfällt.

Also muss der Dozierenden-Vortrag gefilmt werden. Dazu hätte ich einfach bei der nächsten Durchführung der Vorlesung eine Kamera aufstellen können. Und bei der übernächsten Durchführung den Studierenden die so entstandenen Videos zur Vorbereitung des Präsenzunterrichts präsentieren. Die Vorlesungen finden jährlich statt und ich wollte nicht warten. Die Konsequenz daraus: Videos extra drehen, ohne Publikum. Die Videos werden dadurch inhaltlich viel dichter. Es entstehen viele kurze Videos – je eines zu einem Thema. Das soll den Studierenden die Möglichkeit geben, den Stoff in kleinen Happen zu erarbeiten.

Was ich in die acht Stunden Videos und in die Übungen und Musterlösungen verpackt habe, entspricht ca. 50 normalen Lektionen.

Wandtafel, Whiteboard

Das Whiteboard – oder die Wandtafel – fehlen mir dabei. Einen Vortrag vor Whiteboard filmen? Oder aufs Tablet zeichnen und davon einen Screencast erstellen? Davon nehme ich Abstand: meine Handschrift ist gelinde gesagt suboptimal. Zudem wird der Blick zum virtuellen Publikum erschwert. Konsequenz der Entscheidung: Animationen müssen erstellt werden. Auch dazu werde ich einen Blog-Post erstellen.

Talking Head

Wird der Sprecher im Video unten links oder rechts eingeblendet, dann spricht man von «Talking Head». Zurzeit sieht man viele solcher Videos.

Die Frage, ob ich bei den Vorträgen zu sehen sein soll oder lieber nicht, beschäftigt mich lange. Mir fehlt die Eitelkeit, die Frage mit grundsätzlich mit ja zu beantworten. Welche Variante ist für die Studierenden angenehmer? Ich höre mich um im Bekanntenkreis. Ergebnis der (nicht-repräsentativen) Umfrage: die Hälfte sagt ja, die andere Hälfte sagt nein. Nicht wirklich hilfreich…

Ich beobachte mich selbst und schaue Lehrvideos an. Automatisch schaue ich auf die Person die da spricht. Und just an diese Videos und deren Inhalt erinnere ich mich besser. Ok – ich überwinde mich: ich soll zu sehen sein. Konsequenz der Entscheidung: Filmen vor Greenscreen. So können die Bilder besser gemischt werden (hier Bild). Ich werde beschreiben, wie ich dabei vorgegangen bin.

Noch eine Entscheidung: da wo die Erstellung von Code gezeigt wird, da soll mein Bild nicht zu sehen sein. Das werden reine Screencasts.

Die technische Ausführung

Im Laufe der Zeit ist ein kleines Studio zum Aufzeichnen von Lehrvideos entstanden. In den nächsten Blog-Posts werde ich dieses Studio vorstellen. Und werde auch die Minimalausrüstung zeigen. Für die ersten Schritte sind keine grossen Investitionen nötig. Fängt man Feuer, dann wird sich der Aufbau der Ausrüstung ganz von alleine ergeben.

Die Konzeptionsphase

Sind die technischen Möglichkeiten bekannt, hat man die ersten Gehversuche erfolgreich durchgeführt und möchte sich an die Produktion eines etwas umfangreicheren Online Kurs wagen, dann ist gute Planung alles. Ich werde auch einen Blog-Post der Planung eines Online Kurses widmen.

Die Realisierungsschritte

Nach der Planung folgt die Realisierung. Ich werde in einem weiteren Blog-Post erzählen, wie ich dabei vorgegangen bin und welche Erfahrungen ich dabei gemacht habe.

 

Das fertige Produkt

Und hier ist das Einführungsvideo zum fertigen Produkt. Dieses ist ganz am Schluss entstanden.

 

Fortsetzung folgt …